La France

Die französische Sprache.

Attention! Deutsche haben ein etwas eigenartiges Verhältnis zur französischen Sprache: sie halten viel von ihr, ohne sie unbedingt zu verstehen. Vielleicht haben sie sich deshalb ein „deutsches Französisch“ gebastelt.
Es war zur Zeit der fränkischen Könige. Die Franken herrschten über große Teile des heutigen Deutschland und Frankreich. Ihr Reich war aufgeteilt unter zwei Königen, von denen der eine in Ostfranken und der andere in Westfranken herrschte. Es kam der Tag, an dem die Könige getrennte Wege gehen wollten. Um sich zu versichern, dass einer dem anderen keinen Schaden zufügen würde, vereinbarten sie ein Treffen in Bonn. Auf einem Schiff auf dem Rhein schwor jeder in des anderen Sprache: der Ostfranke auf Französisch, der Westfranke auf Deutsch. Der eine sollte den anderen schließlich verstehen – und ihm glauben können.

Seitdem haben die Deutschen ein eigenartiges Verhältnis zur französischen Sprache: sie halten viel von ihr, ohne sie unbedingt zu verstehen. Goethe mag daran gedacht haben, wenn er im „Faust“ einen Studenten in Auerbachs Keller sagen lässt: „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, aber ihre Weine trinkt er gern“.

Bis heute ist die deutsche Sprache voller französischer Ausdrücke, und nicht alle von ihnen sind wirklich französisch. Dabei ist der Anfang noch harmlos: bekannte französische Wörter erhalten auf Deutsch nur ein anderes grammatisches Geschlecht. Aus „le tour“ de France wird „die Tour de France“, le „parti socialiste“ zu „die sozialistische Partei“, und wer in einer deutschen Bäckerei „eine Baguette“ verlangt, wird schnell verbessert: „Für Sie darf es ein Baguette sein?“

Bei der Aussprache ist es ähnlich. Für das modische „accessoire“ etwa ist in Deutschland eine Aussprache verbreitet, die wie „assessoir“ klingt – ein Wort, das es weder auf Französisch noch in irgendeiner anderen Sprache gibt. Trotzdem findet man es sogar in dieser Schreibweise auf der Online-Auktionsplattform Ebay – in Deutschland, bien sur.

Gründlich verdreht sind auch Wörter wie die „Banderole“ (für bandelette), „Rommé“ (für das Kartenspiel le rami) oder die „Raffinesse“ (für le raffinement); genauso „Parole“ (le mot d’ordre), „Batterie“ (pile), „Quartier“ (für logement), „Visage“ (abfällig gemeint, la gueule) oder der „Etat“ (im Sinn von le budget).

Manchmal werden französische Wörter in der deutschen Sprache auch einfach nur umgedeutet. Wenn Deutsche von „Flair“ reden, verstehen sie darunter etwas anderes als Franzosen. Auf Französisch bedeutet flair soviel wie Gespür (oder „eine Nase“) für etwas zu haben. Auf Deutsch meint man damit die besondere Atmosphäre, die einer Person oder einer Gegend anhaftet – „das Flair der großen, weiten Welt“.

Mit manchen solcher für Deutsche gewohnten Ausdrücke empfiehlt es sich, vorsichtig umzugehen: das deutsche „Baiser“ ist auf Französisch eine „meringue“. Wer als Deutscher in einer französischen Bäckerei „baisser“ sagt, wird gründlich missverstanden werden. Schließlich heißt das Wort auf Französisch längst nicht nur „Kuss“ oder „küssen“, sondern meint eine weitaus intimere Kontaktaufnahme.

Richtig einfallsreich sind die Deutschen dagegen, wenn es um Wörter geht, die es so auf Französisch überhaupt nicht gibt. „Friseur“ zum Beispiel. Oder „Parterre“ (für Erdgeschoss) und „Negligé“ (im Sinn von „Nachthemd“, französisch „déshabillé“). Auch die „Blamage“ ist eine deutsche Erfindung für das, was Franzosen wohl mit „situation embarrassante“ umschreiben würden. „Apart“ sagt man auf Deutsch, wenn es auf Französisch hieße: „particulier“ oder „du cachet“.

Aus dem französischen Wort für Feingefühl, „délicatesse“, ist auf Deutsch ein Ausdruck für Feinkost geworden: „Delikatessen“. Ein Scheingallizismus (wie die Sprachforscher sagen), der in den Vereinigten Staaten als deutscher Import ein Eigenleben angenommen hat. Auf amerikanisch ist nämlich ein „delicatessen“ eine Feinkosthandlung mit einem gehobenen Schnellimbiss zur Selbstbedienung – ausschließlich in dieser Bedeutung.

(Quelle: www.dw.de)

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